POLARIS, grobkörniges Stück origineller Mythenbildung

Bei Kristen Carthew ist Magie im Spiel Polaris. Es ist auf das Jahr 2144 eingestellt. Die Erde wurde verwüstet und in eine andere Eiszeit zurückgeschickt, in der die Fische grünes Blut bluten. Scharen von Überlebenden fristen ein gewalttätiges und brutales Dasein in der ewig gefrorenen Einöde, bewaffnet mit Bögen, Äxten und verschrotteten Schneemaschinen. Und dann ist da noch Sumi, eine wilde junge Frau, die in Harmonie mit einem Eisbären jagt und sammelt, mehr zu Hause in den Bäumen und der Stille. Sie wird fröhlich im Schnee neben ihrer „Mutter“ in einem postapokalyptischen Paradies herumtollen vorgestellt.

Dieses Paradies wird zerstört, als Sumi mit dem örtlichen Stamm der Plünderer in Kontakt kommt, die sie von ihrer Mutter stehlen und in einen Käfig sperren. Polaris ist keine Geschichte von einer Bärenmama, die ihr Junges rettet, sondern von einem findigen Jungen, der sich in der Welt zurechtfindet. Sumis Reise zur Wiedervereinigung mit ihrer Mutter ist eine Geschichte über das Erwachsenwerden, die durch eine große arktische Leinwand (und einen Filmemacher, der weiß, wie man sie verwendet) zu einer eigenen visuellen Folklore erhoben wird. Sumi ist schlau, einfallsreich und wird von ihren Feinden ständig unterschätzt. Sie bezeugt sowohl das Gute als auch das Schlechte in der Menschheit. Sie entwickelt sich zu etwas jenseits von ihnen; eine Geschichte, die zukünftigen Generationen erzählt werden soll.

Dies ist ein Shoot-for-the-Stars-Filmemachen, oft buchstäblich, mit seiner gleichnamigen Kugel, die Sumi zu ihrem endgültigen Ziel führt. In wahrer Show-Don’t-Tell-Manier wird die Geschichte fast vollständig ohne Dialoge erzählt. Während die Rumtreiber eine Art kehlige Kommunikation haben, versteht Sumi sie nicht, und sie ist für uns, das Publikum, nicht untertitelt. Meistens sprechen sie im Krieg, was leichter zu verstehen ist. Eine andere Figur, ein gefrorenes Mädchen, das Sumi rettet und wiederbelebt, spricht in einer Art lyrischem Singsang-Dialekt, der offensichtlich eine andere Sprache ist, uns aber ebenso unbekannt ist. Eine Mundharmonika in den Händen und an den Lippen einer zähen alten Frau, die mit Benzin hausiert (und sich ein bisschen wie Immortan Joe kleidet). Wutstraße) tut mehr für die Kommunikation, als es Worte in dieser Welt können.

Mit einem sehr bescheidenen Budget im kanadischen Yukon gedreht, schafft es der Film dennoch, sich riesig und vital anzufühlen. Visuelle Effekte werden sparsam eingesetzt, sodass die Natur die meiste Arbeit übernimmt. Die junge Viva Lee porträtiert Sumi sowohl als widerstandsfähigen Überlebenden als auch als unbeschriebenen Unschuldigen. Ihre ist eine gutturale, körperliche Darbietung, bei der sie oft die Zähne bleckt – bei einer Warnung oder einem Lächeln. Trotz der Action und der dicken Felle, um die Kälte abzuwehren, wird ihre Performance sehr stark über ihr Gesicht gespielt, selbst wenn es teilweise mit einem Stoffstreifen bedeckt ist.

Polaris ist ein Film über viele Begegnungen, viele davon blutig und gewalttätig, einige herzlich und intim, wobei Sumi immer der Hauptzeuge ist. Wir sind eingeladen, alle Ereignisse durch ihre Augen zu sehen, auch wenn wir uns nicht sicher sind, was sie ist; oder was sie werden wird. Sie hat Kräfte und Fähigkeiten, die weder wir noch sie vollständig verstehen, sei es, dass sie mit den Bäumen spricht, die sich mystisch zu ihr beugen, oder mit glühenden Händen heilt. Carthew vermeidet oft ein sauberes Point-A-to-Point-Storytelling zugunsten des Poetischen. Der Film möchte, dass Sie seine Geheimnisse und die Geographie seiner rauen Welt ohne Erklärung akzeptieren. Es möchte, dass Sie die Geburt der Mythologie spüren. Es tut dies mit mehr als ein wenig Körnung.

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